Hanns Christian Müller           … wie es wirklich war  -  eine Art Biografie…

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…ausprobieren…

Es begann alles ganz normal und irgendwie trotzdem anders: Die Verhütungsmittel waren rar, teuer und unpopulär. Außerdem waren so viele im Krieg gefallen, dass es gar nichts schadete, wenn wieder ein paar nachwuchsen.  Der Papst hieß damals Pius, und war genauso katholisch wie später Pillen-Paul aus Polen und Johannes Paul oder Benedikt usw… Das nur zum Verständnis dieser turbulenten Nachkriegsjahre, in die ich hineingeboren wurde.

Ob ich das Wirtschaftswunder der 50er Jahre verursacht habe durch emsiges Konsumieren, oder ob ich nur Nutznießer des allgemeinen Aufschwungs war,  lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei feststellen.  Dr. Ludwig Erhard rauchte jedenfalls Zigarren und hatte ungesunde Essgewohnheiten, vor allem aß er immer zu viel, und sprach dabei vom Maßhalten.  Dieses Maßhalten sah man in Fox tönender Wochenschau, - damals die Tagesthemen, die man uns als Kino- Vorprogramm servierte, bevor Lilo Pulver endlich einen Mann bekam und ein Streit in Korea beinahe wieder einen Weltkrieg ausgelöst hätte.

Ja, und dann begann die Schule, nach einer harten Kindergartenzeit, wo ich immer spielen musste. Täglich. Gnadenlos. Der Ernst des Lebens, sagte man mir damals, finge jetzt an, aber ich hab den Ernst nie richtig kennengelernt, bis heute nicht, und ernst genommen habe ich ihn schon gar nicht.

Im Fernsehen gab's die ersten Serien: Soweit die Füße tragen, Dr. Richard Kimble auf der Flucht, Bonanza, Lassie und heiteres Beruferaten. Habe ich alles mit eigenen Augen gesehen. Lassie sogar mehrmals live im Englischen Garten beim Kacken  - und Ratefuchs Lembke erzählte mir später persönlich auf einem Bayrischen Rundfunk-Fasching zwischen zwei Weißwürsten 22 Witze ... (i.W. zweiundzwanzig,  also 11 Witze pro Wurst).

Fox tönende Wochenschau hatte keine Chance gegen Karlheinz Köppke, der die neuesten Trends, Katastrophen und fragwürdige Wettervorhersagen jeden Abend praktisch zum Nulltarif in immer mehr deutsche Wohnzimmer lieferte. Ab 1958 auch in unseres.

Irgendwie passierte eine Menge,  plötzlich hatte ich eine Malschule, eine Singschule, zwei Ski-Kurse, Klavier- und Flötenunterricht hinter mir und fand mich auf dem Gymnasium wieder. Mein Vater war auch schon auf dieses Gymnasium gegangen, mein Großvater auch, und mein Sohn ging nach mir ebenfalls auf dieses Gymnasium , wie  auch Ex-Landesvater Franz Josef Strauß …

Meine Klavierlehrerin war eines Tages zu alt, um weiter zu mir ins Haus zu kommen (wir wohnten im 4. Stock). Daraufhin bekam ich einen Klavierlehrer, der mir leider nichts beibrachte. Deshalb hängte ich die Klavierspielerei an den Nagel, und kaufte mir ein Tenorbanjo. Das konnte ich zwar auch nicht besonders spielen, aber alles, was ich nicht spielen konnte, hatte ich mir wenigstens selber beigebracht. Die Hosen waren damals oben eng und unten eng, das sah merkwürdig aus, aber wir trugen´s mit Fassung.

In der Schule lernte ich Geige und auch sonst noch allerhand Unbrauchbares. Zuhause spielte ich inzwischen Gitarre und E-Bass. Meinen Klavierlehrerschock hatte ich überwunden, und so erübte ich mir nun auch noch ein wenig Pianoforte-Geräuscherzeugungs-möglichkeiten, soweit das im Selbstversuch möglich war. - Half jedenfalls sehr beim Komponieren. 

Kennedy hatte den Russen vor Kuba heimgeleuchtet, gottseidank ohne Weltkrieg, dafür gabs kalten Krieg: die Welt war aufgeteilt in zwei Lager, die sich gegenseitig für böse Arschlöcher hielten, weil sie nie Gelegenheit hatten, sich kennenzulernen. Adenauer wurde von Tag zu Tag älter, Erhard immer fetter, als Kanzler wäre er fast geplatzt, und Heinrich Lübke, der damalige Bundespräsidentendarsteller, wandelte sich auf offener Bühne vom Grufti zum Komposti: „Meine Damen und Herren, liebe Neger…“ - und so was vertrat die BRD in der Welt !!  - ja, und die Beatles spielten auf.

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Ehrlich währt am längsten.

…Dauert aber auch am längsten…